Das Haus der Zaha Hadid

oder die Auferstehung des Banalen.

Anmerkungen zur Kunst Fred Rückerts.


     Fred Rückerts Bilder sind Bekenntnisse zum Banalen. Ausrangiertes, Nutzloses außer Funktion findet bei ihm exakte zeichnerische Umsetzung. Rückerts Bilder sind unpolemische Abspiegelungen des Bedeutungslosen. Sie erklären sich allein aus der genauen Bestätigung des Vorgefundenen. Womit die Bedingungen erfüllt sind für einen höchst erstaunlichen Vorgang: Im Auge des Betrachters nämlich initiiert das Banale in einem Akt kreativer Nötigung nichts weniger als seine Auferstehung in neue Bedeutungen. Das Banale bedient dabei das latente Bedürfnis des Betrachters nach Sinnstiftung. Am Ende läuft es auf eine Erhöhung und Neubewertung hinaus, oder anders: Das Nutzlose hat seine Nichtigkeit überwunden.

     Hier sind es Holzkisten, verrottendes Zeug am Ende jeglicher Karriere, Müll, der sich unter dem langen Blick des Betrachters als ein Konglomerat futuristischer Bauelemente zu erkennen gibt. Es eröffnen sich hier unerhörte Konstellationen, die an die exzentrischen Entwürfe einer Zaha Hadid gemahnen, eine hochbegabte Architektin, die versucht, ihren bizarren dreidimensionalen Bau-Collagen Nutzbarkeit abzuringen; verblüffend dabei die Analogien zu Rückerts „Kisten-Haus” (siehe Fred Rückerts Aquarell „Kamini”).

     Angesichts dieses stets offenen Spiels Einfall/Zufall stellt sich die Frage, ob die Welt zu einer Herbeiführung außerästhetischer Zustände überhaupt fähig ist. Wie auch immer, man hätte nicht übel Lust, sich diesem Rückertschen „Kisten-Haus” anzuvertrauen, allein schon wegen des perspektivischen Gewinns.

     Ein Fazit: Fred Rückerts Kunst reicht weit über die meisterliche Abbildung des Banalen hinaus. Der Maler führt Bild und Betrachter auf eine stille, diskrete Weise zusammen, vertrauend auf den Beginn jenes imaginären Dialogs, der Bild und Betrachter gleichermaßen verändert – bereichert – entlässt. Eine humane Kunst letztlich, die des Fred Rückert.


     Horst Peisker, Schriftsteller


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